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Interview mit dem Mittelstandsbeauftragten Peter Hofelich

v.l.: Herr Scherrer (Leiter Mittelstand/Handwerk), Peter Hofelich MdL, Sattlermeister Steffen Würtz, Foto: Eva Wunderlich

NWZ / Karen Emler: Lange hatte sich die Wirtschaft solch eine Scharnierfunktion gewünscht. Dann wurde ausgerechnet ein SPD-Politiker erster Mittelstandsbeauftragter des Landes. Peter Hofelich fühlt sich in seiner Rolle aber wohl.

Zuhören, Anliegen sammeln: So arbeitet Peter Hofelich, der Mittelstandsbeauftragte der Landesregierung. Hier im Bild (Mitte) mit Sattlermeister Steffen Würtz aus Brackenheim auf der Internationalen Handwerkermesse in München.

Herr Hofelich, Sie sollen für Ingo Rust als Finanzstaatssekretär nachfolgen. Ändert sich dadurch Ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Beauftragter für Mittelstand und Handwerk?
PETER HOFELICH: Mein Aufgabenspektrum wird sich erweitern, aber ich bleibe weiter in der Rolle als Mittelstandsbeauftragter Ansprechpartner für die kleinen und mittleren Unternehmen.

Ehrenamt klingt angesichts von 460 000 Mittelständlern beziehungsweise Handwerksbetrieben im Südwesten ohnehin etwas merkwürdig. Ist das nicht eher ein Fulltime-Job?
HOFELICH: Ich würde den Aufwand seit dem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren im Durchschnitt auf 30 Prozent, in Spitzenzeiten auf bis zu 50 Prozent meiner Arbeitszeit schätzen. Die Rolle ist über das Ehrenamt hinausgewachsen. Darauf hatte ich mich aber eingestellt. Es macht mir Freude, und ich bin froh, dass mir die Aufgabe bleibt.

Wie würden Sie Ihre Stelle beschreiben? Sind Sie Feuerwehrmann, Dolmetscher zwischen Politik und Mittelstand oder Kummerkasten?
HOFELICH: Ich sehe mich eher als Impulsgeber und Kümmerer. Impulsgeber insofern, als ich mit dem Wirtschaftsminister umzusetzen versuche, was uns im Regierungsprogramm wichtig erschien. Als Kümmerer greife ich Themen von außen auf und trage sie in die Ministerien hinein. Dabei geht es nicht nur um die sachliche Komponente, sondern auch um eine mentale. Die Leute müssen das Gefühl haben, dass man bei ihnen ist.

Sie sind SPD-Landtagsabgeordneter. Wie war das, als Sie zum Mittelstandsbeauftragten wurden? Gab es da eher Misstrauen Ihnen gegenüber? Mussten Sie Klinken putzen?
HOFELICH: Nein, das musste ich zum Glück nicht. Das wäre angesichts der mehr als 400.000 Mittelständler auch schwierig gewesen. Ich wurde gleich zu Fachgesprächen, Ansprachen und Empfängen eingeladen, bei Kammern, Unternehmen und Multiplikatorenveranstaltungen. Berührungsängste mir gegenüber gab es nicht.

Sie stammen aus einer Selbstständigen-Familie mit Metzgerei und Gasthaus. Hat das vielleicht auch geholfen?
HOFELICH: Ja, zumindest habe ich dank meiner Herkunft eine Nähe zum Nahrungsmittel- und Gastronomiegewerbe. Zwischen der Branche und der SPD scheint bekanntlich nicht nur der Honigmond.

Meinen Sie den Streit um den gespaltenen Mehrwertsteuersatz?
HOFELICH: Das sorgte in der Tat für Verstimmung bei den Wirten. Sie fordern nach dem Vorbild anderer europäischer Länder eine Angleichung. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gilt in Deutschland für Lebensmittel im Supermarkt, beim Bäcker und Metzger und für zubereitete Speisen zur Mitnahme und im Stehimbiss. Was in Gaststuben auf den Tisch kommt, wird dagegen mit dem vollen Satz von 19 Prozent versteuert.

Was sagen Sie als Mittelstandsbeauftragter und als Branchenkenner? Gibt es einen Ausweg aus dieser so offenkundigen Wettbewerbsverzerrung?
HOFELICH: Ich kann den Ärger der Branche verstehen. Aber bei dem Thema sind wir nicht weitergekommen. Dazu gibt es klare Beschlüsse auch innerhalb der SPD. Deshalb wird der Mehrwertsteuersatz sicher nicht generell auf 7 Prozent gesenkt. Aber es ist wichtig, dass man bei einer anstehenden Reform dieses Thema aufgreift und vielleicht einen Mittelweg sucht.

Ist das so ein Thema, bei dem das Prädikat "unabhängig" an Gewicht verliert, mit dem Ihr Amt bei der Einführung geschmückt wurde? Immerhin sind sie SPD-Abgeordneter und sitzen als Mittelstandsbeauftragter im SPD-geführten Ministerium.
HOFELICH: Unabhängig bedeutet nicht neutral. Ich handle auf der Basis der Koalitionsvereinbarung. In der Praxis sollte eben deutlich werden, dass ich ungefiltert aufnehme und es dann in die Landespolitik einbringe, was der Mittelstand an mich heranträgt. Das wird so auch akzeptiert, und schlägt sich bei vielen Themen nieder.

Zum Beispiel?
HOFELICH: Nehmen wir die Meisterpflicht, die von Brüssel aus immer mehr geschwächt wird. Innerhalb der SPD könnte man der Meinung sein, dass der Meister als Überbleibsel einer antiquierten Zunftordnung überflüssig sei.

Aber Sie sehen das anders?
HOFELICH: Nicht nur ich, sondern die gesamte SPD. Handwerk und SPD sind sich im übrigen heute bei vielen Themen sehr nahe. Im Dialog mit dem Handwerk in Baden-Württemberg haben wir sehr schnell erkannt, dass wir da auf europäischer Ebene eine Bremse reinhauen und unsere Position pro Meisterbrief vertreten müssen. Dazu gehört es aber, dass man sich eine Strategie überlegt.

Und die wäre?
HOFELICH: Innerhalb der EU hat man nicht der die besten Karten, der sich nur abwehrend verhält. Man muss offensiv sein. In dem Fall haben wir für unsere Vorstellungen und unser Modell des Meisterbriefs samt der dualen Ausbildung geworben. Wir hatten erst vor kurzem in unserer Landesvertretung in Brüssel dazu eine Veranstaltung mit dem Handwerk und der Politik.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kammern von Industrie, Handel und Handwerk?
HOFELICH: Aus meiner Sicht gut. Wir brauchen ihre Unterstützung, weil das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft nicht viele nachgeordnete Behörden hat. Daher und auch aus ordnungspolitischen Gründen nutzen wir gerne nichtstaatliche Organisationen, etwa bei den Beratungsgutscheinen für Existenzgründer oder für Unternehmen in der Krise sowie für die Vergabe der Innovationsgutscheine.

Die Innovationsgutscheine gibt doch aber das Ministerium aus.
HOFELICH: Aber die Kammern werben bei den Unternehmen für dieses Instrument. Wir haben das System übrigens ausgeweitet auf den Innovationsgutschein B High Tech und die Kreativwirtschaft mit ihren elf Subbranchen von Journalismus über Multimedia bis zum Kunsthandwerk. Das wird gut angenommen, und darauf bin ich persönlich etwas stolz.

In der Koalitionsvereinbarung steht, dass Baden-Württemberg wieder ein Gründerland werden soll. Was wurde dafür bereits getan?
HOFELICH: Wir haben eine Gründeroffensive initiiert. Dabei ging es um Marketing für Gründungen, um Qualifizierung, Finanzierung und Technologietransfer.

Wie steht es im Mittelstand um das Thema Technologietransfer?
HOFELICH: Eine Studie der IHK Region Stuttgart hat gerade bei den kleinen Unternehmen eine Technologieschwäche erkannt. Deshalb sollten meiner Ansicht nach die so genannten Technologietransferbeauftragten dieses Jahr mehr ins Rampenlicht rücken.

Wo sitzen die Beauftragten - und was ist ihre Aufgabe?
HOFELICH: Sie sind bei den Kammern angestellt, werden aber vom Ministerium finanziert. Im Grunde sind sie wie eine Art Pfadfinder, die den Kleinunternehmen im Land Zugang zu technisch-wissenschaftlichem Knowhow verschaffen sollen. Sie sollen die Belange der Unternehmen in die Universitäten und Forschungsinstitute tragen und den Draht zu den Experten herstellen. Der Mittelständler definiert sein Problem, nicht die Wissenschaft.

Noch mal zurück zum Gründerland Baden-Württemberg. Wie steht es darum?
HOFELICH: In Zeiten der Hochkonjunktur und guter Beschäftigungslage nimmt die Zahl der Gründungen nicht zu. Deshalb hat sich unsere Initiative auch nicht in der Zahl bemerkbar gemacht.

...aber?
HOFELICH: Untersuchungen zeigen, dass Gründungen in Baden-Württemberg im Vergleich zu denen in anderen Bundesländern technologisch höher angesiedelt sind. Zudem sind sie dauerhafter und schaffen mehr Arbeitsplätze. Insofern haben wir unterm Strich eine höhere Qualität erreicht.

  • Zusatzinfo: Zur Person Peter Hofelich

Salacher Metzgerssohn In seinem Arbeitszimmer im Ministerium für Wirtschaft und Finanzen hängen alte Fotos an der Wand. Sie zeigen, woher Peter Hofelich kommt - aus einer Handwerkerfamilie, genauer aus einer Metzgerei samt Gastwirtschaft "Zum Schwanen" in Salach bei Göppingen. Der 62-Jährige ist wieder bei seinen Wurzeln angekommen, denn seit Juli 2011 ist er ehrenamtlicher Regierungsbeauftragter für Mittelstand und Handwerk. Hofelich studierte in Konstanz Verwaltungswissenschaft und arbeitete von 1984 an als Manager bei IBM. 2004 schied er auf eigenen Wunsch aus, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Seit 2005 ist er selbstständiger Unternehmensberater und Gastdozent an der Hochschule Aalen. Für die SPD sitzt er seit 2006 im Landtag.

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