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Stuttgart21 nach der Schlichtung

StZ/Stuttgart.  Als vor einem Jahr der Prellbock 049 am Stuttgarter Hauptbahnhof versetzt wurde, sprachen die Bahn AG und ihre Partner von einem "historischen Ereignis" - nicht ahnend, was noch alles passieren würde.

Nach 16 Jahren des Planens, Diskutierens und Verhandelns haben Bahnchef Rüdiger Grube, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Ministerpräsident Günther Oettinger und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster am 2. Februar 2010 mit einem feierlichen Akt der Startschuss für das "Jahrhundertprojekt" gegeben - begleitet von heftigen Protesten der Projektgegner. Wohl kaum jemand hätte damals gedacht, dass sich der Widerstand gegen die umstrittene und milliardenteure Tieferlegung des Hauptbahnhofes und seinen Anschluss an die geplante Schnellbahntrasse nach Ulm noch steigern ließe - mit dem Polizeieinsatz am 30. September als traurigen Höhepunkt. Im Rückblick auf ein bewegtes Jahr bleibt festzustellen, dass Stuttgart 21 wie kein anderes Thema die Gesellschaft polarisiert hat - in Stuttgart, in der Region, im Land und in der ganzen Republik.

Was vor zwölf Monaten als simples Bauprojekt begann, ist mittlerweile zum Lehrbeispiel für die Folgen mangelnder Bürgerbeteiligung geworden. Nicht wenige umstrittene Projekte bundesweit tragen mittlerweile den Zusatz "21". Kein Wunder also, dass kaum jemand in der Landeshauptstadt auf die Idee kam, gestern den Jahrestag zu feiern - außer der "Interessengemeinschaft Bürger für Stuttgart 21", die sich bei den Bauarbeitern mit einem Baustellenfrühstück bedankte. "Wir möchten ein Zeichen dafür setzen, dass wir uns über den Fortgang der Arbeiten sehr freuen und dass wir die Leistung der ausführenden Firmen honorieren - vor allem, weil sie unter so widrigen Umständen ihren Job erledigen müssen", sagt IG-Sprecher Gerald Holler. Bei der Bahn sieht man keine Notwendigkeit für eine offizielle Geste: "Für uns liegt der Schwerpunkt auf der Information, nicht auf symbolträchtigen Veranstaltungen", betonen die Projektsprecher Wolfgang Dietrich und Udo Andriof.

Auch die Gegner wollten am 2. Februar keinen zusätzlichen Protest vom Zaun brechen, denn dort wird das Datum ohnehin nicht ernst genommen. "Das war nur eine Showveranstaltung. Da ist lediglich ein Prellbock 40 Meter versetzt worden", erläutert der Sprecher der Parkschützer, Matthias von Herrmann. Für die Mitstreiter in der Aktivistengruppe fällt der eigentliche Baubeginn auf den 25. August - den Tag, an dem die Bagger am Nordflügel des Hauptbahnhofs mit dem Abriss begannen.

 

1,5 Milliarden Euro würde die Bahn einzuklagen versuchen, sollte das Projekt doch noch gestoppt werden.

3200 Meter Gleise am Hauptbahnhof wurden seit dem 2. Februar entfernt, 29 neue Weichen installiert, 25 Bäume allein in der Nacht zum 1. Oktober gefällt, einer von zwei Seitenflügeln des denkmalgeschützten Bonatzbaus wurde abgerissen.

843 Demonstrationen fanden gegen Stuttgart 21 statt.

500 000 Euro betrug das Budget für die Schlichtung, bei der Gegner und Befürworter 81 Stunden Argumente austauschten.

Zwölf Punkte umfassten die Verbesserungsvorschläge von Schlichter Heiner Geißler.

30 Prozent mehr soll der geplante Tiefbahnhof im vom Schlichter Heiner Geißler verordneten Stresstest leisten können als der Kopfbahnhof.

1400 Fälle beschäftigten bislang die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Milliardenprojekt; 316 Mal ermittelte die Behörde allein im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Gegner am 30. September.

13 Sitzungen absolvierten die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zum Polizeieinsatz; 63 Zeugen waren geladen.

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